Mit BERLIN.STATUS [2] sind die Kuratoren Sven Drühl und Christoph Tannert gut ein Jahr nach BERLIN.STATUS [1] zu einer neuerlichen Bestandsaufnahme künstlerischer Tendenzen in der Metropole angetreten – ein Zeitraum, in dem in Berlin eine ganze Menge passiert ist.

Der Boom der Kunst- und Kreativszenen und die Gentrifizierung sind zwei Seiten des Strukturwandels, die die deutsche Hauptstadt gehörig unter Druck setzen und langsam ein Umdenken in der strategischen Flächen- und Wohnungspolitik nach sich ziehen.

Nach wie vor ist Berlin ein Traumziel junger Künstlernomaden aus aller Welt und verzeichnet ein hohes Potenzial künstlerischer Sensibilität, wobei die meisten Kreativen sich allerdings unter prekären Vorzeichen über Wasser halten müssen. Gleichzeitig wird Berlin von Touristen geflutet. Die Mieten steigen und steigen – und mit ihnen die Radikalität.

Viele Künstler nehmen die Verschärfungen des innerstädtischen Klimas sehr bewusst wahr, ihre Reaktionen darauf sind höchst unterschiedlich. Die Überhitzungen im System des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus finden ihr Spiegelbild im Anachronismus einer künstlerischen Stadtguerilla, die sich mal aufgeregt, mal betulich und kompromissbereit gibt, die sich entweder mit unterschwelliger Aggressivität gegen die Politik auflehnt oder die Welt, die nicht in Ordnung ist, in eben dieser Unordnung ästhetisch thematisiert.
Schlichte Wahrheiten sind dabei weder im Politischen noch im Künstlerischen zu haben.

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